Unsere letzte Nacht im Jasper Nationalpark konnten wir noch einmal richtig genießen. Heute hatten wir uns vorgenommen, den Tag in Ruhe zu starten und ließen sogar den Wecker weg. Doch inzwischen hatte sich unsere innere Uhr an die Rundreisen-Weckzeit gewöhnt, und so wachten wir alle gegen halb acht auf. Anders als an manch anderen Tagen ließen wir es heute aber ruhig angehen und blieben einfach noch etwas liegen, während von draußen bereits die Sonne hereinschien.
Heute spielte das Wetter wieder richtig mit. Es herrschte traumhafter Sonnenschein und ein klarer Blick auf die Berge war möglich. Doch irgendwann wurden wir dann doch wieder von unserem Entdeckertrieb angespornt und machten uns ans Kofferschließen. Die Handgriffe waren inzwischen routiniert, und so waren wir noch vor 9 Uhr abreisebereit. Wir checkten aus dem Astoria Hotel aus und verstauten wieder alles an seinem Platz im Auto.
Zum Frühstück liefen wir noch einmal durch den Ort, um bei A&W erneut zu frühstücken. Auf dem Weg dorthin planten wir den weiteren Tag. Heute würden wir unsere Rundreise nach Clearwater in British Columbia fortsetzen. Es stand uns eine der eher längeren Fahrten bevor. Da wir die Übernachtung in Clearwater ohnehin eher als Zwischenstopp eingeplant hatten, waren wir gar nicht besonders scharf darauf, allzu früh anzukommen. Also wollten wir den Tag lieber noch in Jasper verbringen.
Es ging zurück zum Auto, und wir machten uns langsam auf den Weg. Unser Hauptziel sollten die Athabasca Falls sein. Diese hatten wir vor ein paar Tagen ausgelassen, weil uns der Parkplatz einfach zu voll gewesen war. Doch heute wollten wir dort unbedingt noch hin.
Dazu ging es erneut zurück auf den Icefields Parkway in Richtung Banff. Die Wasserfälle lagen etwa 40 Kilometer entfernt. Der Regen der vergangenen Tage hatte seine Wirkung erzielt. Es wirkte, als wäre die Luft durch die Waschmaschine gewirbelt worden, denn es war quasi kein Rauch mehr in der Luft. Auf einmal konnten wir die Berge links und rechts der Straße bestaunen, die von der Sonne angestrahlt wurden. Der Blick war glasklar. So machte dieser unfassbar schöne Straßenabschnitt gleich doppelt Spaß.
Auch wenn noch große Teile der Berge von schwarzen, abgebrannten Baumstämmen geprägt waren, sah die Landschaft einfach herrlich aus. Wir genossen jeden Kilometer und kamen schließlich an den bekannten Wasserfällen an.
Wieder stand eine kurze Schlange am Parkplatz, doch es ging dann sehr schnell, ehe wir einen Parkplatz gefunden hatten. Vom Parkplatz aus konnte man bereits die Abgrenzung zu den Wasserfällen sehen, eine lange Wanderung war also nicht nötig. Nele freute das natürlich sehr. Auch sie war begeistert von den Wassermassen, die hier in den Canyon stürzten. Schnell wurde klar, warum die meisten Besucher des Nationalparks auch hier Halt machen wollten.
Wir genossen die Ausblicke sehr und wanderten über eine Brücke einmal um den Canyon herum. An einigen Stellen konnte man beinahe bis ans Wasser herangehen. Der Sprühnebel kühlte ungewollt alle Umstehenden ab. Wir wanderten ein Stück den Canyon hinab, um zu sehen, wo das viele Wasser schließlich in den gleichnamigen Athabasca Fluss weiter durch den Nationalpark floss. Auch hier genossen wir noch einmal die Ausblicke, ehe wir uns langsam zurück zum Auto bewegten.
Nun ging es wieder in Richtung Jasper. Langsam hieß es Abschied von den Rocky Mountains zu nehmen. Wir fuhren also etwas wehmütig zurück bis Jasper und bogen dort auf den Highway 16 nach Westen ab.
Nur wenige Meter außerhalb der Stadt war auch der Wald wieder kerngesund. Das Feuer vor zwei Jahren war quasi genau bis Jasper gekommen. Wir fuhren bei nahezu gleichbleibend schönen Ausblicken weiter in Richtung Vancouver. Doch von Kilometer zu Kilometer wurde dafür das Wetter schlechter.
Wir erreichten gerade den Mount Robson Provincial Park, als es plötzlich in Strömen zu regnen begann. Die Blicke auf die umliegenden Seen, die Berge und die Dörfer wurden alle vom dichten und kräftigen Regen „verschluckt“. Genauso schnell, wie der Regen gekommen war, zog er aber auch wieder weiter.
Bei Valemount bogen wir auf den Highway 5 in Richtung Süden ab und fuhren nun durch eine landwirtschaftlich geprägte Region. Dennoch verlief die Straße weiterhin wunderschön durch die Berge. Nach gut 350 Kilometern kamen wir schließlich in Clearwater an.
Während der Fahrt hatten wir wieder eine Stunde „gewonnen“, da wir erneut nach British Columbia gefahren waren, was in einer anderen Zeitzone liegt. Inzwischen war es daher erst 15 Uhr. Wir checkten im Hotel ein und überlegten, was wir noch unternehmen wollten. Nicht nur das Wetter spielte inzwischen wieder mit, auch die Temperaturen waren deutlich angenehmer als in den vergangenen Tagen. Gut 28 Grad zeigte das Thermometer.
Direkt am Hotel befand sich das Besucher-Informationszentrum der Stadt. Wir gingen einmal hinein, um uns zu informieren, was wir hier noch unternehmen konnten. Uns wurde der Wells Gray Provincial Park sehr empfohlen. Dort sollte es wunderschöne Wasserfälle geben. Die ausgelegten Bilder sahen wirklich phänomenal aus. Doch nach einer so langen Strecke wollten wir nicht noch einmal die rund 50 Kilometer in den Park auf uns nehmen.
Als nächsten Tipp bekamen wir den Dutch Lake empfohlen. Dieser See war nur etwa fünf Minuten mit dem Auto entfernt. Das wollten wir noch machen.
Die Badesachen hatten wir seit unserem spontanen Badeausflug immer vorbereitet im Auto. Also zogen wir uns schnell am Auto um und gingen zum See. Ein kleiner Sandstrand und der wunderschöne See lagen vor uns. Nele wollte eine große Burg bauen, während Ann und ich zunächst einmal eine Runde schwimmen gingen. Das tat nach der langen Fahrt einfach nur gut.
Anschließend bauten wir natürlich noch einen großen Staudamm im Sand. Außerdem trafen wir eine Familie aus Essen inzwischen schon zum dritten Mal. Zum ersten Mal waren wir ihnen in Jasper in einem Restaurant begegnet, danach auf dem Schiff am Maligne Lake und nun hier am Dutch Lake.
Nele freundete sich hier sehr schnell mit Jasper an – also nicht etwa mit dem Nationalpark, sondern mit dem gleichnamigen Jungen aus Essen. Die beiden nutzten den Strand für eine ausgiebige Tobeeinheit. Wir stellten fest, dass wir uns vermutlich nicht nur heute, sondern auch noch einmal an einem unserer späteren Stopps begegnen würden.
Doch langsam wurden wir alle hungrig. Wir verabschiedeten uns für den Moment, gingen noch schnell ein paar Vorräte für die kommenden Tage einkaufen und fuhren zurück ins Hotel.
Nele überredete mich noch zu einer Runde im Hotelpool, ehe wir frisch geduscht ins Restaurant direkt an unserem Hotel gingen. Nach einem leckeren Abendessen fielen wir schließlich positiv überrascht ins Bett.
Anders als ursprünglich geplant, würden wir uns morgen noch den Wells Gray Provincial Park anschauen und zu den Wasserfällen fahren. Unsere morgige Fahrstrecke nach Kamloops war deutlich überschaubarer, weshalb wir uns die Zeit hier nehmen wollten.
Mal sehen, was der morgige Tag für uns bereithielt.