Lange wurde darüber gesprochen – nun war es endlich so weit. Die Blumen waren versorgt, der Kühlschrank in den Sommerurlaub verabschiedet und die Koffer verschlossen. Um 2:30 Uhr klingelte der Wecker. So müsste man eigentlich immer aufstehen können. Voller Vorfreude mussten wir nur noch unsere Flugzeugklamotten anziehen, dann ging es auch schon los.
Dankenswerterweise fuhr uns mein Vater zu dieser frühen Stunde zum Bahnhof nach Dortmund, von wo aus wir mit dem ICE nach Frankfurt zum Flughafen aufbrachen. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, stand direkt der erste Test an: Wie gut würde Nele ihr Gepäck selbstständig tragen? Schließlich würde das im Urlaub immer wieder nötig sein. Sie machte ihre Sache jedoch hervorragend.
Überraschenderweise war der Zug pünktlich, und zudem war unser Waggon nahezu leer. So fuhren wir dem Sonnenaufgang entgegen. Die Fahrt nach Frankfurt verlief völlig entspannt. Am Flughafen angekommen, machten wir uns mit reichlich Zeit auf die Suche nach dem richtigen Terminal. Wir hatten bewusst einen großzügigen Zeitpuffer eingeplant, stellten jedoch schnell fest, dass es um diese Uhrzeit noch angenehm ruhig zuging. Den richtigen Schalter fanden wir schnell, konnten nach wenigen Minuten unsere Koffer aufgeben und machten uns mit den Bordkarten auf den Weg zur Sicherheitskontrolle.
Ann hatte im Vorfeld herausgefunden, dass man in Frankfurt inzwischen wieder Flüssigkeiten mitnehmen darf. Das wollten wir natürlich testen und hatten deshalb jeder eine Wasserflasche dabei. Tatsächlich wurden die Flaschen zwar gescannt und grundsätzlich war das auch kein Problem. Weil wir allerdings undurchsichtige Thermosflaschen dabeihatten, musste jeweils ein Bundespolizist sein hochqualifiziertes Okay geben: In seiner Anwesenheit wurde die Flasche geöffnet und er warf seinen „Anti-Sprengstoff-Blick“ hinein. Eine Regelung, über deren Sinn man sicherlich diskutieren kann. Aber wir wollen uns nicht beschweren – schließlich sind wir froh, überhaupt wieder Wasser mitnehmen zu dürfen.
Auch die Passkontrolle verlief völlig unkompliziert und kurze Zeit später saßen wir bereits am richtigen Gate. Nach einem kleinen Spaziergang durch die – wie so oft – völlig überteuerten Geschäfte und den Duty-free-Bereich sowie einem kleinen Frühstück wurde schließlich das Boarding für den Flug AC839 aufgerufen. Die Schlange war wie immer lang. Ein aufmerksamer Mitarbeiter der Airline entdeckte uns jedoch mit Kind in der Warteschlange und winkte uns kurzerhand nach vorne. So durften wir an allen vorbeigehen und direkt zum Schalter.
Schnell hatten wir unsere Plätze gefunden und schließlich ging es mit etwa 15 Minuten Verspätung – rund acht Stunden nach dem Klingeln des Weckers – los auf den knapp zehnstündigen Flug.
Um es vorwegzunehmen: Der Flug war wirklich hervorragend. Es gab zwei Mahlzeiten, regelmäßig Getränke, ein gutes Unterhaltungsprogramm und dank unserer mitgebrachten Nackenkissen sogar erstaunlich viel Schlaf.
Meine Uhr zeigte bereits 20:00 Uhr, als wir schließlich aus dem Fenster die vielen Hochhäuser von Vancouver und Umgebung erblickten. Nach einer besonders sanften Landung verließen wir um 11:15 Uhr Ortszeit – so erholt, wie man nach zehn Stunden Sitzen eben sein kann – das Flugzeug. Etwa 18 Stunden nach dem Weckerklingeln konnte der Tag nun endlich richtig beginnen.
Obwohl die USA von hier aus weniger als 100 Kilometer entfernt sind, verlief die Einreise deutlich entspannter als befürchtet – fast so unkompliziert wie innerhalb der Europäischen Union. Auch unsere Koffer ließen nicht lange auf sich warten, sodass wir direkt die Weiterreise in die Stadt antreten konnten. Den Mietwagen holen wir erst in ein paar Tagen ab, denn innerhalb Vancouvers würden wir ihn ohnehin nicht benötigen.
Mit dem automatisch fahrenden SkyTrain ging es schließlich nach Downtown. Nele staunte über die hohen Häuser und stellte begeistert fest: „Das sieht hier ja aus wie in New York!“ Offenbar war sie gedanklich schon einmal dort gewesen.
Unser Hotel liegt sehr zentral in Downtown. Da unser Zimmer allerdings noch nicht fertig war, zogen wir uns lediglich kurz um und machten uns direkt auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Wir schlenderten über die noch wegen der Fußball-Weltmeisterschaft gesperrte Granville Street, auf der noch einige Bereiche der Fanfeste aufgebaut waren. Die ersten Eindrücke vermittelten das Bild einer überraschend entspannten Großstadt.
Über die Waterfront liefen wir weiter in Richtung Gastown. Dort gibt es zahlreiche kleine und große Souvenirgeschäfte sowie mit der berühmten Steam Clock eines der Wahrzeichen der Stadt. Im Hafen konnten wir außerdem einen Blick auf ein riesiges Kreuzfahrtschiff werfen.
Bis zu diesem Zeitpunkt merkten wir kaum, dass es in Deutschland inzwischen bereits Mitternacht gewesen wäre. Wir schlenderten gemütlich zurück und erreichten gegen 16:00 Uhr Ortszeit wieder unser Hotel. Zum Schlafen war es zwar noch viel zu früh, doch es tat unglaublich gut, sich frisch zu machen und sich kurz auszuruhen. Ich holte noch eine Kleinigkeit zu essen und gegen 19:30 Uhr „durfte“ Nele – und ehrlich gesagt auch wir – endlich ins Bett. Immerhin 26 Stunden nach dem Klingeln des Weckers.
Mal sehen, wie lange wir schlafen können. Jetzt geht das Abenteuer erst richtig los…