Die Nacht in Hinton war diesmal etwas länger. Wir gönnten uns heute, einmal etwas später aufzustehen, und verließen erst um acht Uhr das Bett. Es war der erste Tag in diesem Urlaub, an dem wir im Hotel ein Frühstück dabeihatten. Das wollten wir natürlich nicht verpassen, wohlwissend, dass ein Frühstück in Amerika und Kanada nicht unbedingt mit dem europäischen vergleichbar war. Doch egal – es würde schon für jeden etwas dabei sein.
Wir gingen also gemeinsam zum Frühstück und wurden auch hier in Hinton nicht enttäuscht. Es war tatsächlich für jeden etwas dabei. Von Bagel und Toast über Omelett, Speck und Müsli war eigentlich alles vorhanden. Auch die obligatorischen abgepackten Muffins und der etwas gepanschte Fruchtsaft durften natürlich nicht fehlen. So konnten wir uns einen guten Start in den Tag verschaffen.
Nach dem Frühstück packten wir wieder einmal das Auto, denn heute sollte es nach Jasper gehen. Die vermeintliche Hauptstadt des Jasper Nationalparks lag – anders als gestern behauptet – doch etwa 80 Kilometer nördlich von Hinton. Wir hatten uns überlegt, auf dem Weg noch einige nette Ziele anzusteuern.
Der Wagen war schnell wieder gepackt. Inzwischen war es schon zur Routine geworden, und wir wussten ziemlich genau, was wo hingehörte. Die Handgriffe saßen und so ging es mittlerweile ziemlich schnell. Wir checkten noch aus und fuhren kurz tanken, damit wir auch weiterhin gut vorankommen würden.
Am Vorabend hatten Ann und ich versucht, auf der Route nach geeigneten Stopps zu suchen, und waren als Erstes beim Beaver Boardwalk direkt hier in Hinton fündig geworden. Dabei handelt es sich um ein etwa drei Kilometer langes Netz aus Holzstegen, die zwischen einem von Bibern angelegten Wassergebiet verliefen. Mit etwas Glück hofften wir, auch einen kleinen Biber zu Gesicht zu bekommen.
Nach wenigen Kilometern parkten wir das Auto und waren da. Wir liefen auf dem sehr schön angelegten Weg und hielten die Augen offen, ob wir irgendwo am Ufer oder im Wasser einen kleinen Nager entdecken konnten. Es dauerte eine ganze Weile, doch dann schwammen tatsächlich ein paar kleine Biber im See herum. Das war schön zu sehen.
Nach etwa 20 Kilometern auf einer schmalen Bergstraße endete diese in Miette Springs. Hier lagen die heißen Quellen. Es war ein Freibad gebaut worden, das mit dem Wasser dieser Quellen gefüllt wurde. Aus dem Berg kam das Wasser mit etwa 67 Grad Celsius und wurde anschließend auf mindestens 40 Grad heruntergekühlt.
Wir holten uns die Eintrittskarten und gingen hinein. Insgesamt standen vier Becken zur Verfügung, die alle unterschiedlich warm waren: 17, 22, 38 und 40 Grad. Natürlich kamen die meisten Besucher wegen der warmen Quellen hierher. Doch gerade Nele und mir gefiel es ganz gut, dass man zwischen den unterschiedlich temperierten Becken wechseln und so ein kleines Wechselbad genießen konnte.
Das Wetter hielt sich ebenfalls ganz gut. Obwohl für den Tag eigentlich Regen angesagt war, kam zwischendurch sogar einmal die Sonne zum Vorschein. Uns war das aber eigentlich gerade egal, denn wir nutzten die Zeit in den Quellen, um uns etwas zu entspannen. Auch das durfte bei einer solchen Reise immer mal wieder sein.
Nach knapp zwei Stunden machten wir uns wieder fertig. Am Auto gab es die Pizzareste vom Vorabend als Mittagssnack, ehe wir wieder zurück auf den Highway fuhren.
Nach einer Weile hielten wir immer mal wieder an, um die unglaubliche Schönheit der Natur hier zu bewundern. Je näher wir Jasper kamen, desto verrauchter wurde zwar wieder die Luft, doch war es immer noch deutlich besser als in den vergangenen Tagen auf dem Icefields Parkway. Immer wieder tauchten auch größere abgebrannte Flächen auf.
Nele hatte nun doch ihren Spaß, nachdem sie zuvor eher missmutig mitgekommen war und eigentlich lieber im Auto sitzen und ihr geliebtes Hörspiel weiterhören wollte. Wir drehten noch eine große Runde, ehe wir zum Auto zurückkehrten und wieder auf dem Yellowhead Highway in Richtung Jasper fuhren.
Unterwegs konnten wir ein paar Mufflons auf der Straße beobachten, die kurzerhand den Verkehr auf dem Highway lahmlegten. Kurz nach der Einfahrt in den Jasper Nationalpark bogen wir in Richtung Miette ab. Hier sollte unser nächstes Tagesziel liegen: die Miette Hot Springs.
Vor zwei Jahren waren im Sommer etwa ein Drittel aller Häuser in Jasper verbrannt. Die Folgen konnte man heute noch an den Containern am Rande der Stadt erahnen, in denen immer noch Menschen wohnen mussten.
Wir hielten noch einmal für einen längeren Stopp am Jasper Lake. Dieser See hatte, anders als viele andere Seen hier, einen Sandstrand. Zudem war er so flach, dass man mindestens 300 Meter weit hineingehen konnte und dabei immer noch nur bis zu den Waden im Wasser stand.
Hier gingen wir noch einmal mit den Füßen ins Wasser und bauten etwas im Sand. Es war unser letzter Stopp, bevor es endgültig nach Jasper ging.
Dort hielten wir zunächst am Hotel und brachten unsere Sachen ins Zimmer, denn wir würden zwei Nächte hierbleiben. Anschließend liefen wir noch in die Stadt hinein. Auch hier war deutlich zu erkennen, dass überall noch Baustellen waren und neue Gebäude entstanden.
Wir schlenderten durch die Läden und holten uns ein Eis. Zum Abschluss kehrten wir noch in einer lokalen Brauerei ein, tranken etwas und gönnten uns einen kleinen Abendsnack.
Anschließend gingen wir zurück ins Hotel und ließen hier den Abend ausklingen. Denn am nächsten Morgen würde der Wecker wieder deutlich früher klingeln. Wir wollen auf dem berühmten Maligne Lake eine Bootsfahrt machen.
Hoffentlich wird es nicht zu verraucht und wir können auch etwas sehen.
Wir werden berichten …