Ein Tag voller Überraschungen auf dem Icefield Parkway

Guten Morgen aus Canmore!

Die Nacht in unserem schönen Hotelzimmer war sehr entspannend. Die vielen Eindrücke der vergangenen Woche können ja meist erst Nachts verarbeitet werden. Das macht eine solche Reise einfach aus. Nele schläft hier immer wie ein Stein und will morgens meist länger liegen bleiben als wir. Das kennen wir von zuhause eigentlich nur andersherum, doch es zeigt auch eindrucksvoll, wie anstrengend, aber auch schön hier die Tage so sind.

Gegen acht Uhr haben wir damit begonnen, alle Sachen wieder zu packen und das Auto zu beladen. Passenderweise verfügte unser Hotelzimmer über eine etwa sechs Meter lange Eckbank, auf der unsere Koffer alle Platz gefunden haben. So konnten wir in Ruhe planen, was in welchen Koffer gehört. Für den Tag haben wir sowohl normale als auch wandertaugliche Schuhe und Kleidung herausgelegt. Außerdem haben wir uns endlich ein Handtuch zurechtgelegt, falls sich vielleicht die Gelegenheit ergeben sollte, einmal ins Wasser zu gehen. Alles andere ist gut verstaut worden und wieder in unserem Taos gelandet.

 

Da direkt gegenüber unseres Hotels ein A&W lag, sind wir heute erneut dort frühstücken gegangen. Wir haben uns wieder über Pancakes mit Spiegelei, Toast und Würstchen gefreut. Ann hat sich nach dem Frühstück noch einen Latte Macchiato geholt, ehe wir uns langsam wieder zum Auto begeben und erneut auf die Straße gemacht haben.

Bis Banff sind es ja nur etwa 15 Minuten gewesen. Dort sind wir erneut vom Trans-Canada Highway auf den Bow Valley Parkway abgebogen, um diese landschaftlich wunderschöne Straße noch einmal fahren zu können. Auch heute ist der Himmel wieder sehr diesig gewesen und die Luft ist äußerst schlecht. Im Okanagan Valley, wo wir in Kelowna übernachtet hatten, ist ein riesiger Waldbrand ausgebrochen. Auch die Stadt Kelowna selbst ist stark betroffen. Die Rauchschwaden haben sich inzwischen bis hierher ausgebreitet und die Luftqualität extrem verschlechtert. Gleichzeitig haben wir leider nicht besonders weit schauen können, was die bestimmt sehr eindrucksvolle Bergwelt etwas getrübt hat.

Auf dem Parkway sind wir entspannt die gut 50 Kilometer bis nach Lake Louise gefahren. Den Weg sind wir ja bereits vor zwei Tagen in die andere Richtung gefahren. Heute haben wir leider kein Glück gehabt und keine Tiere sichten können.

In Lake Louise angekommen, haben wir den Parkway verlassen und sind auf den Highway 93 in Richtung Norden abgebogen. Nun sind wir auf dem berühmten Icefield Parkway gefahren, der die beiden Nationalparks Banff und Jasper miteinander verbindet.

 

Hier wollten wir zunächst am Bow Lake Halt machen. Bereits die Zufahrt zum Parkplatz ist jedoch restlos überfüllt gewesen. Noch auf dem Highway haben bestimmt zehn Autos und Wohnmobile darauf gewartet, ihr Glück zu versuchen. Wir haben kurz überlegt, uns ebenfalls einzureihen, uns dann aber dagegen entschieden. Zwar wäre das sicherlich ein toller Stopp geworden, doch es ist überhaupt nicht absehbar gewesen, wie lange wir hätten warten müssen. Also sind wir weitergefahren.

Nur wenige Kilometer später liegt der nächste See, den wir unbedingt sehen wollten: der Peyto Lake. Der See ist deshalb so besonders, weil er von der Straße aus nur von einer Aussichtsplattform zu sehen ist. Er liegt mitten in einem Tal zwischen zwei Bergen und hat durch die mineralreichen Gletscherabwässer seine außergewöhnliche türkisblaue Farbe erhalten.

Auch hier ist der Parkplatz sehr voll gewesen. Diesmal haben wir jedoch die Geduld gehabt und uns eingereiht. Überraschenderweise ist es recht zügig gegangen und wir haben schnell einen Parkplatz gefunden. Nach einer etwa 500 Meter langen Wanderung den Berg hinauf sind wir auch schon an der besagten Plattform angekommen.

 

Durch die schlechte Sicht ist es nicht ganz einfach gewesen, alles klar zu erkennen. Besonders die außergewöhnliche Form, aber auch die intensive Farbe des Sees sind dennoch deutlich zur Geltung gekommen. Wir haben den tollen Ausblick genossen und ein paar Bilder gemacht, ehe es zurück zum Auto und wieder auf den Icefield Parkway ging.

Wieder sind wir eine Weile gefahren, ehe wir uns irgendwo einen kleinen Parkplatz gesucht haben, weil wir eigentlich einen Mittagssnack essen wollten. Der Parkplatz hat zum Waterfowl Lake Campground gehört. Wir haben den Wagen abgestellt und wollten eigentlich nur von dort zu dem Fluss laufen, den wir bereits von der Straße aus gesehen hatten.

Durch einen kleinen Wald hat es auch nicht lange gedauert. Auf einem Schild haben wir gesehen, dass es von dort aus auch nicht mehr weit bis zum Waterfowl Lake war. Daher sind wir noch ein Stück weitergegangen und haben eine wunderschöne Stelle für unser Picknick gefunden.

 

In der Sonne ist es wunderbar warm gewesen. Wäre der Dunst nicht in der Luft gewesen, wäre es vermutlich das perfekte Picknick geworden. Doch auch so ist es wunderschön gewesen.

Nele und ich haben unsere Schuhe ausgezogen und sind durch den eiskalten Mistaya River gewatet. Ich habe es tatsächlich einmal durch den Fluss bis zu einer kleinen Insel geschafft, die auch einen direkten Zugang zum See gehabt hat. Das Wasser des Sees ist überraschenderweise gar nicht ganz so kalt gewesen wie das des Flusses.

Nach kurzer Überlegung ist die Entscheidung gefallen: Hier gehe ich schwimmen!

Ich bin zurückgegangen, während Nele und Ann mir bereits entgegengekommen sind. Auch Ann ist von der Idee überzeugt gewesen und so sind wir beide eine Runde Eisbaden gegangen. Lange haben wir es im Wasser allerdings nicht ausgehalten. Es ist wirklich unglaublich kalt gewesen, aber gleichzeitig auch herrlich erfrischend.

Nele hat derweil von außen zugeschaut. Für sie ist das Wasser dann doch zu kalt gewesen. Zum Aufwärmen haben wir an einem Tisch noch eine Runde Uno gespielt, ehe wir langsam zum Auto zurückgelaufen sind.

 

Ein nicht geplanter, aber umso schönerer Badestopp!

Weiter ging es auf dem Parkway und der nächste Stopp hat nicht lange auf sich warten lassen. Am Mistaya Canyon haben wir erneut angehalten. Hier haben wir nicht sehr weit vom Auto aus laufen müssen, um einen weiteren unvergleichlichen Blick in die raue Wildnis Kanadas werfen zu können.

Traumhaft rauscht hier der Fluss durch das bereits ziemlich zerklüftete Gestein. Auch hier sind wir eine Weile geblieben, haben den Anblick genossen und uns dann auf den Weg nach Saskatchewan River Crossing gemacht.

Dieser „Ort“ besteht eigentlich nur aus einer Tankstelle, einem Restaurant und einem Motel. Genau dort haben wir unser Zimmer reserviert. Der nächste bewohnte Ort, das nächste Krankenhaus und der nächste Telefonmast sind etwa 100 Kilometer in alle Richtungen entfernt gewesen. Umso einsamer würde es hier in der Nacht werden.

 

Wir haben eingecheckt und schnell festgestellt, dass dieses Motel nahezu ausschließlich aufgrund seiner tollen Lage punkten konnte. Die Zimmer sind schon etwas in die Jahre gekommen, doch das hat uns jetzt nicht sonderlich gestört.

Im Restaurant sind wir schließlich essen gegangen. Es gab ein Buffet, doch Ann hat sich den schon länger ersehnten Salatteller bestellt. Nach dem Essen in dem viel zu kalt heruntergekühlten Restaurant wollten wir am Abend noch auf eine kleine „Safarifahrt“ gehen. Durch die abgelegene Lage sind um diese Uhrzeit hier kaum noch Autos unterwegs.

Wir sind also gerade vom Parkplatz gefahren, als wir schon wieder angehalten haben.

Direkt vor unserem Hotel ist ein großer Schwarzbär durch die Beerenbüsche gestreift und hat sich ordentlich sattgefressen. Wir konnten auf der Straße anhalten und ein paar Fotos machen. Schließlich ist der Bär direkt an unserem Auto vorbei auf die andere Straßenseite gewechselt.

Was für eine Begegnung!

Dennoch sind wir noch ein gutes Stück weitergefahren und haben tatsächlich noch zwei weitere kleine Schwarzbären und einen kleinen Hirsch sehen können.

Doch Nele ist nach diesem langen Tag immer müder geworden. Also sind wir schließlich zurück zum Hotel gefahren. Dort ist Nele wie ein Stein ins Bett gefallen.

Was für ein Tag!

Morgen folgt dann der zweite Teil des Icefield Parkway – und ein weiteres großes Highlight unserer Reise. Wir wollen auf den Gletscher fahren …

 

 
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© Frederic Linker