Nachdem wir gestern so früh aufstehen mussten, durften wir heute vergleichsweise lange schlafen. Erst gegen 7:30 Uhr klingelte der Wecker. Sicherlich war das immer noch nicht wirklich Ausschlafen, aber auf einer solchen Rundreise war das ohnehin eher fehl am Platz. Schließlich wollten wir möglichst viel sehen. Über Nacht hatten jedoch alle ihre Reserven wieder aufgefüllt und wir machten uns bereit für einen Tag in Banff und seiner Umgebung.
Für den Vormittag hatten wir über unseren Pursuit Pass, der uns Zutritt zu zahlreichen Attraktionen der Region gewährte, eine Fahrt mit der Banff Gondola reserviert. Zuvor gingen wir heute allerdings zum ersten Mal auf dieser Reise auswärts frühstücken. Das Frühstück im Hotel war uns schlicht zu teuer und auf dem Zimmer hatten wir keine wirkliche Möglichkeit, selbst etwas zuzubereiten. Also fuhren wir nach Banff und gönnten uns bei A&W ein typisch kanadisches Frühstück mit Eiern, Pancakes, Würstchen und Toast. Draußen in der Morgensonne ließ es sich trotz der noch frischen Temperaturen gut aushalten. Das Thermometer hatte gerade erst die Zehn-Grad-Marke überschritten.
Die Sonne schien zwar bereits kräftig, doch leider wurde es zunehmend diesig – keine idealen Voraussetzungen für eine Fahrt auf einen Berg.
Nach dem Frühstück fuhren wir die wenigen Kilometer bis zur Talstation der Banff Gondola und reihten uns in die Warteschlange ein. Unsere eigentliche Boarding-Zeit hatten wir zwar bereits leicht überschritten, doch das schien niemanden zu stören. Schon bald schwebten wir in der Gondel hinauf auf den Sulphur Mountain.
Nele war besonders aufgeregt. Auch hier konnte sie durch das Lösen verschiedener Rätsel ein weiteres Abzeichen erhalten. Bereits in der Gondel hatte sie kaum einen Blick für die beeindruckende Landschaft, sondern vertiefte sich sofort in ihr Aufgabenheft. Währenddessen genossen wir den Ausblick, auch wenn die Sicht mit jedem Höhenmeter schlechter wurde.
Oben angekommen konnten wir dennoch auf Banff hinunterblicken und hatten außerdem das Glück, eine Bergziege sowie einige Murmeltiere zu entdecken. Über den mit Holzplanken ausgelegten Steg liefen wir bis zur historischen Wetterstation, die noch einige Meter oberhalb der Bergstation lag. Leider fehlten aufgrund des dichten Nebels die sonst so spektakulären Fernblicke. Die umliegenden Gipfel verschwanden nahezu vollständig in den Wolken.
Immer wieder setzte sich Nele unterwegs hin, um weiter an ihrem Aufgabenheft zu arbeiten. Sie wollte ihr zweites Abzeichen unbedingt noch an diesem Tag bekommen.
Zurück an der Bergstation erkundeten wir noch die oberen Etagen des Gebäudes. Neben zahlreichen Informationen zur Region gab es natürlich auch hier einen Souvenirshop, ein Café sowie eine Dachterrasse, auf der regelmäßig Sunset-Partys veranstaltet werden.
Schon bald ging es jedoch wieder mit der Gondel zurück ins Tal. Dort erhielt Nele tatsächlich ihr ersehntes zweites Abzeichen – diesmal mit einem Grizzlybären als Motiv.
Anschließend liefen wir zurück zum Auto und fuhren wieder Richtung Banff. Dort hielten wir noch kurz am fotogenen Ortseingangsschild, bevor wir erneut auf den Bow Valley Parkway abbogen. Unser nächstes Ziel war der Johnston Canyon.
Die kurze Autofahrt nutzte Nele für einen weiteren Powernap – darin war sie inzwischen echte Expertin geworden.
Am Johnston Canyon angekommen fanden wir auf dem gut gefüllten Parkplatz noch einen Stellplatz. Auf dem Weg zum Canyon hörten wir zunächst einem Parkranger zu, der interessante Informationen über die verschiedenen Bärenarten sowie das richtige Verhalten bei einer Begegnung mit einem Bären erklärte.
Anschließend wanderten wir durch den Canyon. Die beeindruckenden Felswände, der rauschende Fluss und die zahlreichen kleinen Wasserfälle machten diesen Ort zu einem ganz besonderen Erlebnis. An den Lower Falls, einem der beiden Höhepunkte der Wanderung, war die Schlange für ein Foto jedoch so lang, dass wir einfach weitergingen und hofften, dass es an den Upper Falls etwas ruhiger sein würde.
Etwa anderthalb Kilometer weiter oben wartete zwar ebenfalls eine kleine Schlange, doch diese war deutlich kürzer. Das Warten lohnte sich, denn der Wasserfall zeigte sich hier in seiner ganzen Pracht. Der Rückweg verlief anschließend angenehm bergab und war entsprechend schnell geschafft.
Zurück am Parkplatz bekam Nele ihr versprochenes Eis, bevor wir wieder ins Auto stiegen.
Bevor wir allerdings nach Canmore zurückfuhren, machten wir noch einen Abstecher zum Lake Minnewanka. Eine weitere Wanderung wollten wir Nele heute nicht mehr zumuten, doch für einige Fotostopps reichten die Kräfte noch allemal.
Auf der Straße zum See entdeckten wir tatsächlich erneut einen Bären am Straßenrand. Langsam setzte bereits die Dämmerung ein – die beste Zeit für Tierbeobachtungen.
Nach einem kurzen Stopp am windigen und von hohen Wellen aufgewühlten Lake Minnewanka machten wir uns schließlich auf den Rückweg nach Canmore. Und auch jetzt blieb uns das Glück treu. Zunächst begegneten uns zwei Bergziegen direkt auf der Straße. Wenig später entdeckten wir außerdem eine friedlich grasende Hirschherde.
Schon bald erreichten wir wieder unser Hotel. Endlich konnten wir aus den Wanderschuhen schlüpfen und die Beine hochlegen, bevor wir am Abend in der „Grizzly Paw Brewing Company“, die sich beinahe direkt gegenüber unseres Hotels befand, essen gingen.
Ich probierte mich erneut durch die verschiedenen hausgebrauten Biersorten und entdeckte dabei erneut meine Vorliebe für das „Sour Beer“. Auch das Essen schmeckte hervorragend.
Draußen war es inzwischen sehr windig geworden. Nach dem Essen liefen wir zurück zum Hotel, wo Nele und ich noch eine Runde im Pool drehten. Schließlich hatte das bereits am Vorabend für neue Kraftreserven gesorgt.
Morgen werden wir Canmore und den Banff-Nationalpark verlassen und uns auf den Weg Richtung Jasper machen. Auf dem Icefields Parkway wollen wir übernachten und unterwegs zahlreiche spektakuläre Stopps einlegen.