Vancouver zu Fuß

Der Plan ist gut aufgegangen. Auch wenn Ann und ich für unsere Verhältnisse recht früh im Bett waren, haben wir alle gut geschlafen. Nele meinte sogar, dass sie überhaupt nicht wach geworden sei. Trotzdem waren wir gegen 5 Uhr morgens alle wach und bereits so fit, dass wir überlegten, wie wir den Tag gestalten wollten.

Zunächst planten wir einen Spaziergang in Richtung Stanley Park und wollten anschließend spontan entscheiden, wie es weitergeht. In unserem recht kleinen Hotelzimmer stapelten sich die Koffer, sodass wir uns nur nacheinander richtig fertig machen konnten. Das Wetter spielte schon einmal mit und so beschlossen wir, bereits gegen 7 Uhr loszuziehen.

Die super zentrale Lage unseres Hotels mitten in Downtown hat natürlich den Vorteil, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, sich etwas zum Frühstück zu besorgen. Gleichzeitig bringt sie aber auch den Nachteil mit sich, dass man in manchen Ecken das Elend einer Großstadt nicht übersehen kann. Insgesamt müssen wir jedoch sagen, dass Vancouver auf uns einen sehr aufgeräumten und gepflegten Eindruck macht.

 

Wir holten uns ein kleines Frühstück im Supermarkt an der Ecke und machten uns auf den Weg zur English Bay. Diese Sandbucht am nordwestlichen Ende von Downtown ist sicherlich einer der Gründe, warum Vancouver als eine der lebenswertesten Städte der Welt gilt.

Auf dem Weg dorthin liefen wir etwa acht Blocks und konnten schon bald das Meer sehen. Entlang des Seawalls schlenderten wir bei strahlendem Sonnenschein über die noch angenehm leeren Wege. Außer einigen Joggern war kaum jemand unterwegs.

An der English Bay angekommen, kamen wir zunächst an der Steinskulptur Inukshuk vorbei, die seit der Weltausstellung 1986 hier in Vancouver steht. Direkt daneben beginnt der breite Sandstrand der English Bay. Der erste Blick auf den Pazifik war einfach wunderschön. Riesige Frachtschiffe lagen in einiger Entfernung vor Anker und im Wasser konnten wir mehrere Seehunde beobachten, die scheinbar genauso neugierig auf uns waren wie wir auf sie.

Auf einer kleinen Bank frühstückten wir zunächst und genossen den Blick auf das Meer, während sich hinter uns die beeindruckende Skyline der Stadt erhob. Nele vertrieb sich die Zeit damit, Muscheln zu sammeln und auf der Kaimauer zu balancieren.

 

Nördlich der English Bay schließt sich der riesige Stanley Park an. Er umfasst die komplette Nordspitze Vancouvers und würde auf dem Seawall komplett umrundet etwa neun Kilometer lang sein. Wir liefen zunächst zum Second Beach und anschließend weiter zum Third Beach. Dazwischen machten wir Halt an zwei großen Spielplätzen, die Nele natürlich ausgiebig testen musste.

Unser Plan war allerdings nicht, den gesamten Park zu umrunden, sondern ihn quer zu durchqueren. Deshalb bogen wir hinter dem Third Beach in den Wald ab und schlenderten durch den Park. Der Kontrast zwischen der niemals ganz stillen Großstadt und der nahezu unberührten Natur hätte kaum größer sein können.

Wir liefen um den Beaver Lake, in dem tatsächlich Biber leben sollen. Leider bekamen wir keinen zu Gesicht. Dafür entdeckten wir mehrere Spechte bei der Arbeit, eine Schildkröte und zahlreiche neugierige Eichhörnchen.

 

 

 

Schließlich erreichten wir auf der anderen Seite des Parks den Spielplatz am Vancouver Aquarium und legten dort noch einmal eine Pause ein. Von hier aus war es nicht mehr weit, bis wir wieder den Seawall erreichten. Inzwischen war es deutlich voller geworden und vor allem viele Radfahrer waren auf dem abgetrennten Radweg unterwegs. Das möchten wir morgen vielleicht selbst einmal ausprobieren.

Durch die Ebbe hatte sich das Meer weit zurückgezogen, sodass wir ein Stück am Strand entlanglaufen konnten. Neben zahlreichen großen Muscheln fanden wir sogar zwei riesige Seesterne.

Kurz vor dem Brockton Point Lighthouse bogen wir noch zu den berühmten Totempfählen ab. Sie vermitteln einen beeindruckenden Einblick in die Kultur der Ureinwohner Kanadas. Geht man von dort wieder ans Wasser, eröffnet sich eine traumhafte Aussicht auf die Skyline von Vancouver.

 

Wir liefen noch bis zum Leuchtturm und machten anschließend einen kurzen Stopp an der 9 O’Clock Gun, die jeden Abend um 21 Uhr abgefeuert wird. Danach drehten wir um und machten uns auf den Rückweg in die Stadt.

Mittlerweile hatten wir bereits knapp 18 Kilometer zurückgelegt und Nele schlug sich wirklich großartig. Entlang des Yachthafens zu laufen war ein echtes Highlight. Die Wolkenkratzer im Hintergrund boten aus jeder Perspektive ein neues Fotomotiv und gleichzeitig konnte man die vielen Boote beobachten. Im Hafen lag zurzeit außerdem ein riesiges Kreuzfahrtschiff der Disney Cruise Line.

Langsam bekamen wir alle Hunger und beschlossen, zur Steamworks Brewery zu laufen, die uns schon am Vortag von außen gut gefallen hatte. Entlang der Uferpromenade ging es über den Canada Place in Richtung Gastown.

Das Restaurant hielt, was wir uns versprochen hatten. Mit müden Beinen genossen wir unsere Burger, während Nele sich für eine Pizza entschied. Ich probierte außerdem vier der hauseigenen Biersorten. Die längere Pause tat uns allen richtig gut.

 

Anschließend wollten wir noch nach einem Kindersitz für Nele schauen. Da die Miete rund acht Dollar pro Tag gekostet hätte, hofften wir, günstiger einen eigenen kaufen zu können. Also fuhren wir zunächst mit der U-Bahn stadtauswärts zu einem Geschäft, das unseren heimischen Baumärkten sehr ähnlich war.

Dort wurden wir tatsächlich fündig und kauften ein Modell im Sonderangebot für knapp 30 Dollar. Das lohnt sich auf jeden Fall. Irgendwie ist es trotzdem witzig, dass in Kanada viele in Deutschland zugelassene Modelle als nicht sicher genug gelten.

Im benachbarten Supermarkt deckten wir uns noch mit Lebensmitteln für die nächsten Tage ein und fuhren anschließend mit dem Bus zurück zum Hotel.

Eigentlich wollten wir dort nur eine kurze Pause machen und später noch einmal zum Sonnenuntergang an den Strand fahren. Das klappte allerdings nur halb, denn Nele schlief gegen 19:30 Uhr doch ein.

 

Ich machte mich deshalb alleine noch einmal auf den Weg zum Strand. Der Sonnenuntergang wurde zwar größtenteils von Wolken verdeckt, dennoch war die Stimmung wunderschön. Mit einem Leihrad fuhr ich noch einmal bis zum Leuchtturm und genoss den Blick auf die nächtlich beleuchtete Skyline. Anschließend machte auch ich mich auf den Rückweg ins Hotel.

Morgen wollen wir uns dann ebenfalls Fahrräder leihen und Vancouver auf zwei Rädern erkunden.

 
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© Frederic Linker