Lachse, Wasserfälle und wilde Wege

Nach einem erneut langen, aber schönen Tag hatten wir uns für heute zwar einen Wecker gestellt, doch wurden wir alle auch so bereits zeitig wach. Unser Hotelzimmer war überdimensional groß, weshalb wir uns gestern einmal die Mühe gemacht hatten, alle Koffer nicht nur zu öffnen, sondern auch etwas zu sortieren.

Heute hatten wir eine kleine Planänderung vorgenommen. Eigentlich wollten wir zeitig Richtung Kamloops aufbrechen, um uns die Stadt anzuschauen. Doch gestern hatten wir dann etwas Blut geleckt und wollten heute unbedingt noch in den Wells Gray Provincial Park fahren. Also beschlossen wir, nach dem Frühstück zunächst eine andere Richtung als geplant einzuschlagen.

 

Das Frühstück im Hotel war wieder einmal typisch amerikanisch-kanadisch. Toast, Eier, Würstchen, Muffins, süßes Müsli und eine Auswahl an Saft, Tee und Kaffee standen bereit. Langsam begann zumindest ich, das europäische Frühstück zu vermissen. Doch irgendwie fand man dann doch immer etwas. Wir mussten uns heute auch etwas stärken, denn auf dem Plan standen gleich eine Reihe von Wasserfällen. Schließlich galt der Park nicht umsonst als der „Wasserfallpark Kanadas“.

Nach dem Frühstück und dem Verstauen der Sachen im Auto spielten wir zunächst noch eine Runde Frisbee auf dem kleinen, hoteleigenen Court. Es war eine Mischung aus Frisbee und Minigolf. Die Sonne strahlte nur so vom Himmel und es zeichnete sich bereits ab, dass es heute hier sehr warm werden würde.

Der Eingang zum Wells Gray Provincial Park lag direkt an der Ausfahrt unseres Hotels. Wir mussten also nur auf die Straße abbiegen und waren quasi schon im Park angekommen. Der Park zog sich etwa 80 Kilometer auf einer einzigen Straße gen Norden. Wir beschlossen, bis zum nördlichsten Punkt zu fahren, der uns im Besucherzentrum empfohlen worden war. Der Ort hieß Bailey’s Chute und wir hatten zunächst keine Ahnung, was uns dort erwarten würde.

 

Die ersten 40 Kilometer fuhren wir noch auf einer normalen Straße. Angeblich sollte man auch hier in den üblichen Stunden morgens und abends gut Wildtiere wie Bären und Elche sehen können. Doch wir bekamen heute außer ein paar Eichhörnchen, Raben, kreisenden Raubvögeln und Streifenhörnchen keine größeren Tiere zu Gesicht. Allerdings waren wir ja auch in erster Linie wegen der Wasserfälle in den Park gefahren.

Nach den ersten 40 Kilometern wechselte die Straße dann in eine Gravel Road. Endlich konnten wir einmal die Vorzüge unseres SUVs testen und den Offroad-Modus einstellen. Weitere 14 Kilometer schlängelte sich die Straße durch die Berge, ehe wir schließlich am Parkplatz ankamen.

 

Von hier aus mussten wir noch einen kleinen Trail etwa zehn Minuten durch den Wald laufen, ehe wir schließlich an einem Aussichtspunkt ankamen. Hier war es nicht wirklich ein Wasserfall, sondern eher eine sehr breite Stromschnelle, die direkt vor unseren Füßen lag. Auch beeindruckend, aber irgendwie hatten wir uns etwas anderes vorgestellt.

Eigentlich wollten wir schon wieder los, als Ann aus dem Augenwinkel etwas im Wasser beobachten konnte. Unterhalb der Stromschnellen sprangen immer wieder riesige Lachse den Fluss hinauf. Eigentlich sollte das hier erst gegen Ende August zur großen Lachswanderung passieren, doch scheinbar waren die ersten Tiere bereits angekommen.

Damit änderte sich natürlich alles. Fasziniert schauten wir den Tieren dabei zu, wie sie scheinbar unüberwindbare Hindernisse doch überwinden konnten. Wir waren so vertieft, dass wir die sicher zehn neuen Mückenstiche erst später bemerkten. Ein toller Stopp, der sich nun doch mehr als gelohnt hatte - mal von den Mücken abgesehen.

Mit klingender Bärenglocke kamen auf dem Weg zurück zum Auto gar schon weihnachtliche Gefühle auf. So hörte sich Ann zwischendurch fast wie Rudolf an. Zwar war der Rückweg nicht besonders schwer, doch eine rote Nase hatte sie zumindest noch nicht.

 

Mit dem Auto fuhren wir die Schotterpiste wieder zurück, bis wir in die Helmcken Road abbogen, um den vermeintlichen Star dieses Parks anzusteuern. Die Helmcken Falls stürzen aus 141 Metern Höhe in einen alten Vulkankrater. Das wollten wir natürlich sehen.

Hier war es auch deutlich voller, auch wenn noch kein Vergleich zu den Nationalparks bestand. Wir parkten und waren schnell am Zaun zu den Wasserfällen. Es wurde nichts zu viel versprochen. Für mich persönlich waren es die beeindruckendsten Fälle, die wir bislang gesehen hatten.

Unwirklich stürzt das Wasser den Berg hinunter in einen tiefen Canyon, aus dem es anschließend wild weiterfließt. Wir liefen an den Klippen entlang und hatten nahezu nach jeder Kurve einen noch schöneren Weitblick. Zäune gab es hier teilweise keine mehr, weshalb stets Vorsicht geboten war, denn die Steilklippen fielen mindestens genauso tief wie die Wasserfälle selbst.

 

Irgendwann drehten wir um, da es auch kaum noch Schatten gab und die Sonne erbarmungslos vom Himmel brannte. Zurück an den Wasserfällen trafen wir Jasper und seine Eltern wieder. Nun war Nele hin und weg. Ihr neuer „bester Freund“ war schon vermisst worden und ab jetzt tobten die beiden wieder gemeinsam herum.

Wir ließen die beiden etwas spielen, fuhren dann aber weiter zu den nächsten Wasserfällen – natürlich nun gemeinsam. Während Nele nur noch Augen für Jasper hatte, staunten wir über die Dawson Falls. Ganz anders und doch ebenfalls beeindruckend. 90 Meter breit, dafür nur etwa 20 Meter hoch, waren die Fälle. Doch man konnte bis an die Klippe herantreten und die pure Kraft der Natur förmlich spüren.

 

Auf dem Rückweg zum Auto waren Nele und ihr neuer Freund schon weit voraus durch den Wald gelaufen und warteten bereits auf uns am Auto. Wir tauschten die Telefonnummern aus und fuhren weiter, denn in zwei Tagen würden wir erneut am gleichen Ort übernachten. So mussten sich die beiden zunächst verabschieden und unser Weg führte uns weiter zu den Triple Decker Falls.

Hier stand die längste Wanderung des Tages an. Es ging stetig bergab in den Canyon hinunter, bis wir schließlich auf Flussniveau angekommen waren. Die Falls waren bei Weitem nicht so stark oder wasserreich wie die anderen beiden, aber durch ihre drei Stufen waren auch sie wieder etwas Besonderes.

Hier konnten wir etwas über die großen Felsen klettern und abenteuerlich umherlaufen. Aber eines war natürlich auch klar: Alles, was man bergab wanderte, musste man irgendwann auch wieder bergauf laufen.

 

Inzwischen waren es an die 30 Grad und so wurde der Rückweg durchaus anstrengend. Nele zog aber super mit und oben angekommen konnten wir uns mit eiskalten Getränken aus unserer Kühltasche wieder abkühlen.

Zwar gab es noch zahlreiche weitere Wasserfälle hier im Park, doch diese drei wunderschönen Fälle reichten uns für heute vollkommen aus.

Wir fuhren zurück zum Parkeingang und wollten nun eigentlich weiter nach Kamloops fahren. Doch kurzerhand entschieden wir uns, noch einmal einen Stopp am Dutch Lake einzulegen. Ann und ich drehten eine weitere Runde im See, während Nele im Sand ihren Spaß hatte. Sie wollte nicht mit uns ins Wasser kommen, kühlte sich nur am Rand etwas die Füße.

Eine einzige kleine dunkle Wolke beendete dann irgendwann unseren Besuch, als es zu regnen begann. Es waren nur wenige Tropfen, doch der Weg nach Kamloops war noch etwa 125 Kilometer lang, die wir ebenfalls zurücklegen mussten.

Also fuhren wir gegen 16:30 Uhr los und verließen Clearwater, das sich als viel mehr als nur ein einfacher Zwischenstopp herausgestellt hatte.

 

Die Fahrt nach Kamloops verlief entspannt. Es mussten keine größeren Höhenmeter mehr zurückgelegt werden. Je näher wir der Stadt kamen, desto trockener wurde die Umgebung. Kamloops liegt inmitten eines Tales, umgeben von verschiedenen Bergen, hatte allerdings überwiegend Grasland und nur wenige Wälder um sich herum.

Das machte sich auch bei den Temperaturen bemerkbar, denn hier war es auch um 18 Uhr noch einmal deutlich heißer als in Clearwater. Wir tankten schnell und fuhren anschließend zu unserem Hotel.

Schon auf der Fahrt dorthin wurde schnell klar, dass Kamloops eher eine Großstadt war, die uns allerdings nicht sonderlich gefiel. Daher waren wir umso froher, uns am Morgen für die Planänderung entschieden zu haben.

 

Wir fuhren noch etwas essen und spielten anschließend eine Runde Uno. Auf dem Rückweg zum Hotel ging gerade die Sonne unter und tauchte die Stadt in ein unfassbar warmes Licht. Dadurch wirkte Kamloops plötzlich schon wieder ganz anders.

Doch morgen würden wir uns hier nicht mehr groß umschauen. Eine weitere lange Strecke lag vor uns und wir würden nach Whistler reisen. Dort soll es sehr schön sein, worauf wir bereits gespannt sind.

 
Druckversion | Sitemap
© Frederic Linker