Frederic und Ann-Kristin
Frederic und Ann-Kristin

Tag 18

Samstag, 18. Juli 2020
Stadtausflug mit Höhenmetern


Es begann alles noch sehr harmonisch. Jeder machte so sein Ding, ohne dem anderen zu nahe zu kommen. Klar war ab und zu mal ein kleiner Seitenhieb von beiden Seiten dabei, doch eigentlich kümmerte sich jeder um sich selbst. Erst im Laufe der Zeit gab es immer öfter dicke Luft. Mal war ich der Tonangebende, dann doch wieder Ann. Aber sie ließ auch einfach nicht locker und musste immer wieder einen draufsetzen. Tja das hatte sie dann davon… Zum fünften Mal in Folge bei Malefiz verloren. Ich bleibe #Würfelmeister…

Bella Italia. Die Nacht war angenehm warm. Anders als die letzten Nächte in Österreich, in denen es teilweise bis unter 10 Grad kalt wurde, konnte Nele hier wieder in ihrem kurzen Sommerschlafanzug schlafen. Wir wurden zwar bereits recht früh heute wieder von ihr geweckt, doch der herrlich blaue Himmel und die strahlende Sonne ließen es recht leicht erscheinen. Daher blieben wir auch nicht mehr lange im Bett, sondern machten uns zum Frühstück fertig. Wir holten am Minimarkt des Camping Platzes ein paar Brötchen und deckten den Tisch unter unserer Markise. Beim Frühstück überlegten wir, was wir am heutigen Tag so machen wollten. Schnell war klar, dass wir unser Auto möglichst stehen lassen wollten. Der Kühler wurde von uns zwar wieder befüllt, doch wollten wir nicht die nächste Panne riskieren. Lieber wollten wir dem kleinen Bauernmarkt von Leifers einen Besuch abstatten und dann mal schauen, was es hier zu entdecken gibt. Nach dem Frühstück durfte Nele noch eine Runde Dreirad fahren, ehe wir uns für den Ausflug in die Stadt fertig machten. In der Rezeption erhielten wir unsere Bozen-Cards, die uns unter anderem freien Nahverkehr bereiteten. Doch nach Leifers konnten ihr gut zu Fuß laufen.

Der Ort liegt direkt am Fuße der Berge und ist sehr klein. Schnell hatten wir den Bauernmarkt gefunden, der den Beinamen klein zurecht trägt. Immerhin waren vier Bauern aus der Region gekommen, um ihr Gemüse zu verkaufen. Viel mehr gibt es hier im Ort dann auch nicht zu sehen. Wir gingen auf dem Rückweg noch in einem italienischen Supermarkt einkaufen und liessen uns zwei E-bikes für Montag reservieren, die wir dank der Bozen-Card umsonst leihen können. Zurück am Campingplatz überlegten wir, was jetzt am besten für den restlichen Tag wäre. Da wir beide gerne noch nach Bozen wollten und morgen ja Sonntag ist, empfanden wir es beide besser, heute zu fahren, damit vielleicht noch ein paar Geschäfte mehr aufhaben würden. Wir wollten mit dem Bus in die Stadt fahren, da eine Bushaltestelle direkt vor dem Campingplatz lag und wir ja durch die Karte schon Tickets hatten. Also durfte Nele das erste Mal Bus fahren. Na toll… Sie verschlief die Fahrt… Bis ins Zentrum von Bozen fuhr der Bus gute 20 Minuten. Es ging vorbei an endlosen Apfelplantagen und Weinreben. Dann waren wir am Busbahnhof von Bozen angekommen und stiegen aus. Kurz schauten wir noch, wann die Busse von hier zurück fahren würden, ehe wir einfach mal drauflosgingen. Das hatte ja eigentlich in Salzburg ganz gut geklappt.

Schnell kamen wir am Walther-Platz an, der Walther von der Vogelweide gewidmet ist. Hier steht unter anderem der Bozner Dom und unzählige Cafés befinden sich rundherum. Wir schauten uns etwas um und liefen anschließend weiter in Richtung Altstadt. Wow ich muss sagen, so hatte ich mir Bozen gar nicht vorgestellt. Eine tolle Mischung aus kleinen, engen und alten Gassen und hochmodernen Einkaufspassagen, die sich jedoch wunderbar ins Stadtbild einpflegten. So liefen wir die Einkaufsstraße rauf und runter und schauten ein bisschen in den Schaufenstern. Ein Schild verriet uns, dass wir nahe der Rittner-Seilbahn waren. Die ist ebenfalls bei uns in der Bozen Card enthalten und deshalb wollten wir auch hochfahren, doch zunächst schlenderten wir noch ein wenig durch die Gassen. Vorbei ging es am Archäologiemuseum, in dem, wie wir später herausfanden, der Oetzi zu bestaunen ist, hin zum Triumphbogen der Römer. Eine wirklich tolle Stadt. Wir drehten eine Runde durch die Altstadt zurück und liefen zur Talstation der Rittnerbahn.

Schon bald saßen wir in der Bahn und es ging los. Ein wundervoller Blick über Bozen bot sich bereits nach einigen Metern, da es hier keine Hochhäuser gibt. Und alles umrahmt von den Dolomiten. Es ging steil bergauf und sogar weiter als ich gedacht hätte. Statt einfach nur auf den nächsten Hügel hoch, fuhren wir eine ganze Weile noch geradeaus bis ins Dörfchen Oberbozen. Hier stehen einige Top-Hotels und mehrere Häuschen. Hatten wir uns zwar eigentlich etwas anders gedacht, war aber dennoch wunderschön. An der Information suchten wir, was wir hier in kurzer Zeit finden würden. Viele Wanderwege gab es hier oben, die jedoch meistens 4 oder mehr stunden dauern würden. So lange wollten wir jetzt auch nicht wandern, zumal wir ja eigentlich nur in die Stadt wollten und fürs wandern nicht unbedingt gut ausgestattet waren. Am interessantesten hörten sich für uns die Erdpyramiden an, die man in 30 Minuten zu Fuß erreichen sollte. Klingt doch machbar, jedoch hätten wir aus den letzten zwei Wochen lernen sollen, dass diese Zeiten anscheinend für Wanderer ohne Kinder gedacht waren. 

Der Weg zu den Erdpyramiden war leider mit Kinderwagen nicht begehbar. Also stellten wir ihn hinter einer Mauer ab und Nele nahm in der Trage platz. Tja und außerdem stand da nichts von unebenem Untergrund und Megasteigungen. Aber gut, wir waren drauf und wollten da jetzt auch hin. Es ging sehr steil bergab und der Boden war wirklich schwierig schon ohne Kind auf dem Rücken. Das hat Ann wirklich top gemeistert. Olperer Hütte wäre wohl kein Problem gewesen. Wir brauchten etwa 45 Minuten bis wir am Ziel ankamen. Die Pyramiden sind über die Jahre entstanden und verändern sich noch immer. Rund um einen großen am Boden liegenden Stein wird dabei durch Auswaschungen ein Loch immer größer, bis schließlich der Stein nur noch auf einer spitzen Pyramide liegt. Sollte der Stein mal runterfallen, löst sich die Pyramide mit der Zeit auf. Echt schön. Der Aufstieg war natürlich dagegen ziemlich anstrengend. Wir waren beide schweißgebadet, als wir wieder oben ankamen. In einem nahegelegenen Eiscafé gab es dann eine Erfrischung, ehe wir wieder mit der Bahn bergab fuhren.

Am Busbahnhof mussten wir nur einige wenige Minuten auf den Bus warten. Diesmal bekam Nele die Fahrt auch mit und war von allem begeistert. Nur nicht, dass sie bei einem von uns auf dem Schoß sitzen musste statt rumzurennen. Geschafft aber glücklich kamen wir am Campingplatz an und gingen zur Erfrischung noch alle drei ins Hallenbad des Platzes. Hier hatte Nele ihren Spaß. Mit ihren Schwimmflügeln flitzte sie mit uns durchs Becken. Der Plan ging auch dahingehend auf, dass sie kurz darauf nach ihrem Abendessen einschlief. So konnten wir zunächst in Ruhe Spaghetti kochen und dann anschließend unsere bereits oben beschriebene Malefizpartie abhalten. Das 5:0 fuchst Ann glaube ich so, dass wir morgen nochmal spielen werden. Das Wetter soll noch wärmer werden. Warten wir es ab.

 

Bis bald Frederic

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© Frederic Linker