Frederic und Ann-Kristin
Frederic und Ann-Kristin

Tag 2

Dienstag, 8. August 2017
Überall nur rote Steine!

Gestern Abend ging wirklich nix mehr. Die Reisestrapazen machten sich extrem bemerkbar und so fielen wir beide wirklich wie die Steine in die Betten. Der lange Flug, die katastrophale Landung und die 200 Kilometer mit dem Auto steckten wir nicht so einfach weg. Also war schnell schlafen angesagt. Doch wie das so ist mit dieser Zeitverschiebung… gegen 4 Uhr war unsere Nacht eigentlich vorbei. Unser Körper sagte uns, dass wir ausgeschlafen seien müssten, doch davon waren wir noch weit entfernt. Immerhin ruhten wir uns noch etwas aus, ehe wir gegen sieben Uhr das Bett räumten. Wir packten die Koffer so um, dass wir alles Notwendige für Autofahrten griffbereit hatten und gingen zum Frühstück. Endlich mal wieder amerikanische Waffeln mit Sirup. Die Auswahl war überraschend gut und wir stärkten uns für einen anstrengenden und aufregenden Tag. Die Stadt Hurricane kann man wirklich getrost als reine Zwischenübernachtungsmöglichkeit sehen. Sie besteht zu einem Großteil aus Motels und Restaurants. Die Lage ist einfach auch hervorragend um sich den Zion Nationalpark anzusehen. Und genau dahin wollten wir auch als erstes.

Die Koffer waren schnell wieder im Wagen verstaut und inzwischen war die Müdigkeit auch der Vorfreude auf unseren ersten kompletten Urlaubstag gewichen. Bis zum Eingang des Zion Parks waren es etwa 15 Meilen, die wir natürlich schnell abrissen. Wir kauften uns den Jahrespass für alle Nationalparks der USA und fuhren hinein. Vor vier Jahren waren wir ja bereits einmal hier, weshalb wir geplant hatten, dass die Durchfahrt zügig sein sollte. Denn unser Hauptziel des Tages war der Bryce Canyon, den wir noch nicht kennen. Doch wir waren so begeistert von der Landschaft des Zion Parks, dass wir bereits nach wenigen Meilen den Wagen parkten und in die Wildnis wanderten. Bereits wenige Meter abseits der Straße war es so still, dass man die Schmetterlinge schmettern hören konnte. Obwohl es erst 10 Uhr morgens war, zeigte das Thermometer bereits 28 Grad an. Überall roch es nach trockenen Tannennadeln wie bei einem Saunaaufguss.

Dennoch waren wir überrascht wie grün die Natur auch zu dieser Zeit inmitten dieser Wüste sein kann. Unterwegs hielten wir noch mehrmals an verschiedenen interessanten Punkten an und kletterten die Berge rauf oder machten tolle Fotos. Inzwischen hatten wir deutlich mehr an Zeit hier verbracht als wir eigentlich eingeplant hatten, doch es hat sich jede Minute gelohnt. Nun machten wir uns aber auf in Richtung Ausgang und verließen einen der schönsten Nationalparks der USA. Weiter ging es auf dem Highway 89 in Richtung Osten. Doch sehr weit kamen wir nicht. Wir hielten zunächst kurz an einem Supermarkt um uns für die nächsten Tage mit Wasserkanistern und kleineren Snacks auszustatten, um nach etwa 60 Kilometern auf den Scenic Highway 12 abbogen. Nach kurzer Fahrt war es dann endlich soweit. Rote Steine. Das mag etwas unspektakulär klingen, doch sie sind der Hauptgrund unseres Besuchs im Westen. Der Red Canyon sieht sehr beeindruckend aus. Wir laufen zunächst ein Stück durch ein ausgetrocknetes Flussbett in die Berge und genossen die Ruhe und die Wärme. Anschließend wollten wir aber noch etwas klettern gehen. Zwar wollten wir nicht unbedingt bis zur Spitze, doch ein paar Höhenmeter sollten es schon sein. Der Blick auf die bizarren Felsformationen und die Weite sind einfach atemberaubend. 

Doch es zogen ein paar Wolken auf, die auch ein paar Tropfen Regen brachten. Da es keine festen Wege auf den Berg gab, beschlossen wir möglichst im Trockenen wieder nach unten zu gelangen und fuhren weiter. Bis zu unserem Tageshöhepunkt dem Bryce Canyon waren es noch etwa 70 Kilometer. Diese legten wir an einem Stück zurück, auch wenn es unterwegs so einige Möglichkeiten für tolle Stopps gegeben hätte. Am Bryce ist es wie erwartet auch etwas voller, doch wir finden einen Parkplatz am sogenannten Sunset Point, von wo aus wir eine Wanderung durch den Canyon geplant hatten. Inzwischen war die Sonne zurück und brannte auf den roten Boden. Der erste Blick in diesen wahnsinnigen Canyon ist einfach atemberaubend schön. Man kann so weit schauen, dass man in der Ferne schon gar nicht mehr alles erkennen kann.

Da es an der Kante sehr voll ist beschliessen wir schnell loszugehen. Aus anderen Blogs hatte ich Tipps bekommen, wo man hier nahezu ungestört wandern kann. Wir laufen sowohl den „Navajo Loop“ als auch den „Queens Garden loop“. Beide zusammenhaben etwa 4,5 Kilometer und führen einmal quer durch den Canyon. Nach nur wenigen Metern des Abstiegs leerten sich die Wege deutlich und nach einer Weile waren wir fast alleine und konnten diese tollen Felsformationen bestaunen. Für die Tour benötigen wir etwas mehr als zwei Stunden, die sich aber mehr als gelohnt haben. Zurück am Auto füllten wir die Wasserreserven nach und fuhren noch ein paar Viewpoints im Nationalpark an, ehe wir uns wieder auf den Weg machten.

Bis zu unserem Hotel (dem vermeintlich besten unserer Reise) waren es noch knapp 180 Kilometer. Diese jedoch entlang des wunderschönen Highway 12. Inzwischen hatte Ann-Kristin das Steuer übernommen um zum einen den Serpentinen mit geschickten Lenkmanövern zu entgehen und weil ich auch einfach mal ne Pause brauchte. Die letzten 30 Kilometer legten wir bei absoluter Dunkelheit zurück und mussten wirklich aufpassen, da sowohl Rinder als auch Rehe auf den Straßen rumliefen. Gegen 21:15 Uhr erreichten wir nach insgesamt gut 400 Kilometern endlich das „Städtchen“ Torrey. Im Dunkeln fanden wir auch unser Hotel. Wir gingen gegenüber in einem kleinen Diner noch etwas essen und konnten bei Lagerfeuer und Vollmond den Abend nun doch etwas genießen. Wir hatten den ganzen Tag eigentlich nix gegessen, was sich nach dem ersten Bier auch schnell bemerkbar machte. Nachdem wir auf unser Zimmer gegangen waren, drehten wir noch eine Runde über das Resort, wo es auch die Möglichkeit gibt im Tippi oder im Planwagenunglück zu schlafen. Mehr Wild-West Feeling geht nicht. Während Ann-Kristin ins Bett geht unterhalte ich mich noch mit zwei Amis über Deutschland und die Welt. Morgen wollen wir uns hier mal etwas näher umschauen und den Tag mal etwas entspannter angehen lassen.

 

Bis bald Frederic

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© Frederic Linker