Frederic und Ann-Kristin
Frederic und Ann-Kristin

Tag 10

Freitag, 10. Juli 2020
Wasser marsch!

Das Auto war also wieder funktionstüchtig. Wir hatten bereits die letzten beiden Tage dazu genutzt, uns etwas für diesen Tag einfallen zu lassen. Denn wir hatten zum einen wieder Lust etwas zu unternehmen, wollten außerdem das tolle Wetter ausnutzen, welches wieder angesagt war und hatten natürlich bereits im Kopf, dass für den Abend und den gesamten Samstag schwere Gewitter angesagt gewesen sind. Außerdem habe ich morgen Vormittag ein Online Meeting wegen meiner Schiedsrichtertätigkeit. Also wollten wir heute mal zeitig aufstehen und auch losfahren. Das klappte auch erstmal ganz hervorragend, denn anders als die letzten Tage standen wir quasi auf, als Nele wach wurde. Dies hatte den Vorteil, dass wir direkt gemeinsam frühstücken konnten und so keine Zeit vertrödelten. Es gab Baguette vom Vortag und für Nele ein leckeres Müsli. Anschließend packten wir alles für einen langen Wandertag zusammen und kamen gegen 9 Uhr vom Campingplatz los.

Wir hatten uns für den Tag die Krimmler Wasserfälle herausgesucht. Diese befinden sich rund 50 Kilometer in Richtung Westen, vorbei ein Kaprun, Mittersil und vielen weiteren kleinen Dörfern des Nationalparks Hohe Tauern. Die Strecke allein war bereits sehr schön und voller Bergpanoramen. An beiden Seiten der Straße türmten sich die Bergketten auf. Wir benötigten für die Fahrt in etwa 50 Minuten. Die Parkplätze waren noch relativ leer als wir ankamen. Schon von hier konnten wir einen der beiden großen Fälle von weitem sehen. Wir parkten also und platzieren Nele in ihrer Trage. Zu Fuß waren es nochmal knappe 500 Meter zum Ticketschalter. Offiziell zahlt man hier keinen Eintritt sondern eine Wegerhaltungspauschale, die einem Verein zugute kommt, der die Wege im Park ständig erneuert und instand hält. Und um es vorweg zu nehmen kann ich sagen, dass sich jeder einzelne der 4 Euro pro Person wirklich lohnt.

Zunächst ging es einen leicht ansteigenden Fußweg entlang, an dem es sehr touristisch zuging. So konnten hier die verschiedensten Souvenirs, Wandersachen und Leckereien gekauft werden. Doch wir waren ja zum Glück bestens ausgestattet, nachdem Ann sich gestern bereits zwei Wanderstöcke zugelegt hatte. Eigentlich schon in weiser Voraussicht für unsere Hüttenwanderung bei Innsbruck, doch auch hier waren die Dinger sehr nützlich. Wir ließen also die Stände links liegen und wanderten entspannt zum unteren der beiden Wasserfälle. Und bereits der ist wahnsinnig spektakulär. Mit einer Fallhöhe von etwa 140 Metern und einer Fallgeschwindigkeit von etwa 5600 Litern in der Sekunde, kann man die Kraft des Wassers fühlen, hören und sehen. Eine riesige Gischtwolke nebelt alles im näheren Umkreis ein, was nicht rechtzeitig das Weite sucht. Da es bereits jetzt weit über 25 Grad warm war, hatten wir nichts gegen das Wasser auszusetzen. Ein toller Fotospot und ein echtes Naturschauspiel. Insgesamt bestehen die Krimmler Wasserfälle aus drei Fällen mit einer Gesamtfallhöhe von über 350 Metern.

Bis hier war es wirklich eine sehr familien- und altersgerechte Attraktion, doch das änderte sich dann. Denn wenn man die anderen beiden Fälle auch sehen möchte, muss man den Berg hinauf. Und hier kann man sagen, dass es nichts für Flipflopträger ist, auch wenn sich davon hier einige rumtrieben. Der Weg war unheimlich steil und kurvenreich. Immer wieder gab es Kanzeln, von wo aus man einen anderen Blick auf die Fälle hatte. Es waren zwar einige Menschen unterwegs, schließlich sind die Fälle mit etwa 400.000 Besuchern im Jahr sehr attraktiv, doch ehrlich gesagt verliefen sich die Massen hier sehr gut. Nur an den Fotospots waren immer ein paar Menschen. Die angegebenen Zeiten zwischen den einzelnen Kanzeln konnten wir nicht halten. Doch das mussten wir bei den vielen Fotos, Nele auf dem Rücken und bei knapp 30 Grad auch nicht. Wir erreichten aber schließlich nach gut einer Stunde die mittleren Fälle. Doch das schlauchte ganz schön. Dadurch, dass es so steil ist, ist der Weg zwar kürzer, aber eben auch anstrengender. Wir machten eine Pause in der Schönangerl Alm. Die logistisch perfekt, zwischen mittlerem und oberem Wasserfall lag. Wir tranken nur eine Kleinigkeit und gönnten Nele eine kleine Bewegungspause. Sie war noch immer super drauf und hatte an dem Rauschen des Wassers und dem guten Wetter ihre helle Freude.

Doch es lag ja noch ein Stück vor uns. Also ging es weiter steil den Berg hinauf. Hier wurde es sogar noch steiler, was einige kurze Wanderpausen zwingend erforderte. Nach weiteren 30 Minuten bergauf, erreichten wir endlich auch die oberen Fälle die ebenfalls etwa 140 Meter Fallhöhe haben. Von hier oben hatte man nicht nur einen tollen Blick auf die Fälle, sondern eben auch ins Tal mit dem Fluß Salzach und dem Dorf Krimml. Ein toller Aufstieg von etwa 380 Höhenmetern. Doch wir wollten noch nicht umkehren und schauten auf der Karte nach einer geeigneten Wanderung zu einer Bergalm. Es gab hier alles. Von 6 Stunden Wanderungen bis hin zu etwa 40 Minuten Wanderungen, für die wir uns entschieden. Wir mussten ja noch eine Möglichkeit finden, Nele zu füttern.

Also entschieden wir uns für die Veitalm. Hierhin waren es noch gute 120 Höhenmeter und etwa 4 Kilometer zu Fuß. Die Entscheidung sollten wir nicht bereuen. Die Wanderung war bis auf die inzwischen über 30 Grad warmen Temperaturen ein Traum. Es ging immer entlang des Flusses stromaufwärts. Auf diesem Weg begegneten uns Weidekühe und einige andere Wanderer. Der Blick auf die schneebedeckten Gipfel und in die Ferne entschädigte aber für die harte Wanderung. Als wir die Alm bereits sahen, entschieden wir uns kurzerhand um, in die Hölzlahneralm zu gehen, da hier für Nele mehr geboten wurde. Nach kurzer Wartezeit ergatterten wir uns einen Schattenplatz und bestellten Specknudeln und Kaspressknödelsuppe. Nein das ist kein Schreibfehler, sondern eine Suppe mit gepressten Käseknödeln. Die fand Nele aber so lecker, dass sie quasi die Hälfte verputzte. Anschließend durfte sich Nele so richtig auf dem Spielplatz austoben, da sie bis hierher wirklich toll und mit Spaß mitgewandert war.

Eigentlich hätten wir hier verweilen können, doch der angesagte Regen kündigte sich bereits mit ersten dunklen Wolken über den Bergspitzen an. Also beschlossen wir den Rückweg anzutreten. Es warteten noch circa 6 Kilometer Rückweg und 540 Höhenmeter abwärts auf uns. Und die waren nicht unbedingt viel angenehmer als bergauf. Wir hielten auch nur noch kurz an, um uns die überhitzten Köpfe mit eisigem Gletscherwasser zu kühlen. Als wir gerade wieder unten angekommen waren, tröpfelten bereits die ersten Tropfen vom Himmel. Also gingen wir zügig zum Auto und machten uns auf den Rückweg. Ohne Wohnwagen, hatte der Motor schon mal super gehalten. Bitte weiter so. Unterwegs kamen die ersten heftigen Gewitter herunter und so waren wir froh, den Tag so perfekt genutzt zu haben. Im Wohnwagen durfte Nele noch eine Runde mit uns beiden spielen, ehe es für sie ins Bett ging. Tja und unsere Beine waren so schwer, dass auch wir nicht mehr lange wach blieben und bei weiteren Gewittern nun ins Bett gehen. Mal schauen wie es morgen wird. 

 

Bis bald Frederic 

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© Frederic Linker