Herzlich Willkommen
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Frederic und Ann-Kristin
Frederic und Ann-Kristin

28.07.2015        Tag 6

Dienstag, 28. Juli 2015
Eine Safari der Sinne.

Die erste Nacht im Olifants Restcamp haben wir gut überstanden. Im Gegensatz zu den Nächten in Graskop, brauchen wir hier keine Wärmflaschen und drei Wolldecken. In der Nacht wird es nicht viel kälter als 12-15 Grad. Zudem besitzt unser Rondavell eine Klimaanlage, die zwar etwas laut ist, aber ihren Zweck voll und ganz erfüllt hat. Unser zuvor großer Respekt vor den Mücken im Kruger NP, zeigte sich gestern Abend als relativ unbegründet. Zwar gibt es hier sicher auch die ein oder andere Mücke, doch die vermuteten Vergleiche mit den Everglades in Florida weisen sich als völlig falsch heraus. Die Häuser sind zudem rundherum mit Fliegengittern versehen, sodass so gut wie kein Insekt herein kommen kann. Trotzdem nehmen wir die dennoch vorhandene, wenn auch geringe, Gefahr an Malaria zu erkranken ernst und sprühen uns mit Mückenspray ein, damit auch die verirrten Mückenseelen keinen Appetit auf dieses exotische europäische Blut verspüren werden.​

Der Wecker klingelte heute Morgen bereits um 4:30 Uhr. Obwohl wir im Urlaub sind beugen wir uns dem klingeln und stehen, teils widerwillig teils vorfreudig auf. Unser Treffen an der Rezeption mit dem Guide ist für 5:15 Uhr geplant. Wir ziehen also unsere buschtauglichen Sachen an, mit denen wir nicht sonderlich auffallen. Ich gebe zu, es war nicht so einfach etwas ohne bunte Farben zu finden, doch sicherheitshalber habe ich dann doch ein graues Oberteil dabei gehabt. Draußen ist es eigentlich angenehm, doch wir nehmen auch noch unsere dicken Jacken mit, worüber wir auch sehr froh waren, da der Morning Walk nicht etwa ab dem Camp startete, sondern eine viertel Autostunde entfernt. Mit acht Teilnehmern und zwei bewaffneten Rangern fuhren wir im offenen Geländejeep in den Busch hinaus.

Der Fahrtwind war so kalt, dass selbst die verteilten Decken nicht reichten. Wir froren in der letzten Reihe des Jeeps bitterlich. Doch der Sonnenaufgang, den wir ab den ersten Strahlen miterleben konnten entschädigte bereits dafür. Als es bereits so hell war, dass wir genug sehen konnten ohne mit Lampen laufen zu müssen, hielt der Jeep an und wir durften aussteigen. Zunächst erklärten die Ranger uns worauf wir zu achten haben, damit wir nicht in tausend Einzelteile zerfleischt würden, falls wir einem Raubtier begegnen würden. Dann ging es los querfeldein in den Busch. Wir liefen etwa eine Stunde und hielten zwischendurch immer wieder an, um an Pflanzen zu riechen, Dung einem Tier zuzuordnen oder Spuren zu lesen. Die beiden Guides gaben sich wirklich Mühe, uns die Wildnis mit allen Sinnen näher zu bringen. Und hätten wir gewollt, konnten wir auch gerne einen Elefantenköttel probieren. Doch die Handballgroßen Kugeln bestaunten wir lieber nur. Schließlich kamen wir am Olifants River an, wo wir in Sichtweite zu einigen Hippos unsere Pause machten und einen kleinen Snack bekamen. Die Sonne stand bereits halb hoch und es wurde von Minute zu Minute wärmer. Die Rufe der Nilpferde, Vögel und anderen Tiere in unserer Umgebung erzeugten ein perfektes Buschfeeling. Der Rückweg dauerte nochmals etwa eine Dreiviertelstunde, wo wir dicht an Impalas und anderen kleinen Tieren des Parks vorbei kamen. Interessant fand ich noch die Antwort der Ranger auf eine Frage nach der Anzahl der Nashörner die noch im Park leben. Diese Zahl wird geheim gehalten, da auch heute noch regelmäßig Nashörner der Wilderei zum Opfer fallen auf Grund ihres Horns. Außerdem verwischen die Ranger immer wieder die Spuren der Rhinos, um es den Wilderern schwerer zu machen. Wir fahren schließlich zurück zum Camp und verabschieden uns von den Guides. Ann und ich gehen nur kurz in unsere Hütte aber machen uns auch schon bald wieder auf den Weg, um eine eigene Safari zu unternehmen.

Unser Ziel ist es zum Santara Camp zu fahren und von dort über verschiedene Schotterpisten und Nebenstraßen zurück. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben wundervolle Tierbegegnungen gehabt und können von unserer Liste der Big Five nun auch den Büffel streichen, den wir in riesigen Herden gesehen haben. Nun fehlt uns nur noch der Leopard, der uns hoffentlich noch morgen vor die Linse läuft. Bis zum Santara Camp, welches etwa 60 Kilometer entfernt ist, benötigen wir bereits über drei Stunden, weil wir immer wieder anhalten um die Tierwelt zu beobachten. An einem Wasserloch finden wir eine riesige Elefantenherde von über dreißig Tieren, die dort ihren Durst stillt. Außerdem finden wir viele andere schöne Tiere. Vögel, Paviane, Giraffen, Zebras, Hippos...

Im Santara machen wir eine Pause, doch die Rückfahrt würde sicher nochmal länger dauern, weshalb wir nach etwa 20 Minuten bereits weiterfuhren. Bald bogen wir auf eine Schotterpiste ab und fuhren nun abseits der Hauptstraße. Unser Ziel war es noch eine Großkatze zu finden. Doch in den nächsten 3 Stunden fanden wir leider nur die bereits zuvor gesehenen Tiere. Als wir uns eigentlich schon damit abgefunden hatten heute keine Katzen mehr zu sehen, sahen wir etwas vor uns 5 Autos am Straßenrand stehen. Das bedeutet hier so viel wie:" da muss was sein‼" Und tatsächlich.... Etwa 100 Meter von der Straße entfernt, aber dennoch ganz gut zu erkennen, sahen wir einen Löwenkopf. Bei genauerem Hinsehen erkannten wir, dass dort nicht nur eine Löwin saß, sondern gleich zwei, die wohl kurz zuvor einen Büffel erlegt haben mussten und dort fraßen. Ein Wahnsinnsanblick !!

Wir stellten den Motor ab, zückten Kamera und Ferngläser und beobachteten das Spektakel ausgiebig. Aus verschiedenen Seiten schlichen sich bestimmt 15 Schakale heran um von dem Festessen etwas ab zu bekommen. Doch die Löwin verteidigte ihre Beute erfolgreich gegen Schakale und Geier. Es kamen noch zwei weitere Löwen dazu. Einer männlich einer weiblich. Alle fraßen nacheinander und legten sich anschließend genüsslich in die Sonne. Wir beobachteten beinahe eine Stunde das Geschehen und brachen nur deswegen auf, weil es nun wieder knapp wurde mit der Schließung der Camp Tore. Trotz teilweise tiefer Schlaglöcher musste Ann etwas Gas geben (ich hatte heute frei vom Autofahren und konnte mich ganz der Landschaft widmen). Es war bereits wieder 17:10 Uhr als wir endlich wieder eine feste Straße unter den Rädern hatten. Das Schild zeigte noch vier Kilometer bis zum Camp an und wir waren erleichtert, dass wir es schaffen würden. Doch kurz nach einer Kurve standen da wieder mehrere Autos auf der Straße. 

Direkt am Straßenrand stand eine große Elefantenfamilie von etwa 6 Tieren und aß von den Sträuchern. Einen kurzen Stopp wollten wir noch einlegen und machten das Fenster herunter. So nah waren wir hier im Park noch keinem Dickhäuter gewesen. Plötzlich schien sich einer von denen für uns zu interessieren und lief auf unseren Wagen zu. Mit weit aufgerissenen Augen machte Ann schnell wieder die Fenster zu und wir schauten dem Elefanten zu, wie er seinen Rüssel auf unser Auto legen wollte, dann aber doch kurz vor unserem Auto abdrehte und nach hinten wegging. WOW. Wir schauten ihm und den anderen noch etwas nach, die hinter uns ein anderes Auto sogar zum Zurückfahren brachten. Wenn auf einmal 6 Elefanten auf eine zu laufen muss das echt beklemmend sein. Doch irgendwann drehten sie wieder in den Busch ab und wir fuhren zurück zum Camp wo wir um kurz vor halb sechs ankamen.

Von der Aussichtsplattform auf den River machten wir noch ein paar Aufnahmen, gingen uns umziehen, aßen noch eine Kleinigkeit im Camp-Restaurant und gehen jetzt ins Bett. Morgen haben wir eine Fahrt von Ca. 190 Kilometern vor uns quer durch den Park. Da wir heute bereits für knapp 130 Kilometer etwa 7 Stunden inklusive der Tierbeobachtungen brauchten, wollen wir morgen schon gegen halb acht etwa los. Von daher brauchen wir jetzt erstmal etwas Schlaf. Ein bisschen Urlaub wäre schön...

 

Bis bald Frederic.

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© Frederic Linker